Über die Lungenerkrankung Alpha-1-Antitrypsin-Mangel

Der Alpha-1-Antitrypsin-Mangel, kurz Alpha-1 genannt, ist eine erblich bedingte Lungenerkrankung, bei der es in einem ganz bestimmten Gen zu einer Mutation kommt. Durch diese Mutation wird das Protein Alpha-1-Antitrypsin vermindert, fehlerhaft oder gar nicht produziert.1 In Deutschland sind nach Schätzungen etwa 20.000 Menschen davon betroffen.2

Auswirkungen der Krankheit auf die Lunge

Auswirkungen der Lungenkrankheit Alpha-1 auf die Lunge

Bei Gesunden gelangt das Protein Alpha-1-Antitrypsin in der gesunden Lunge mit dem Blut zur Lunge. Dort schützt es das Gewebe, indem es das Enzym Neutrophile Elastase hemmt. Dieses Enzym ist für den Abbau körperfremder Substanzen und Krankheitserreger verantwortlich.1

Das können Staub, Rauch, schädigende Gase, Bakterien oder Viren sein, die über die eingeatmete Luft in die Lunge gelangen. Bei Patienten mit der Lungenerkrankung steht nicht ausreichend Alpha-1-Antitrypsin zur Verfügung. Das Enzym Neutrophile Elastase kann deshalb die Wände der Lungenbläschen schädigen und gesundes Lungengewebe geht verloren. Über dieses Gewebe gelangt normalerweise der Sauerstoff ins Blut, um im Körper verteilt zu werden. Wenn die verbrauchte Luft aus der geschädigten Lunge ausgeatmet werden soll, fallen die Atemwege zusammen, sodass mit jedem Atemzug überschüssige Luft in der Lunge zurückbleibt. So vergrößert sich die Lunge mit Fortschreiten der Erkrankung und kann ihre Aufgabe, den Austausch von Sauerstoff und Kohlendioxid, immer schwerer erfüllen.3

Bei den meisten Alpha-1-Patienten sind die typischen Symptome der Erkrankung Atemnot, chronischer Husten und Auswurf.1,4 Besonders unter Belastung, also beispielsweise beim Treppensteigen, zeigt sich eine schnelle Erschöpfung.1

Auswirkungen von Alpha-1 auf die Leber

Anders als bei Erwachsenen, bei denen zumeist die Lunge von der Krankheit betroffen ist, äußern sich die Symptome bei Säuglingen und Kleinkindern besonders in der Leber. Mögliche Anzeichen des Alpha-1-Antitrypsin-Mangels können beispielsweise Gelbsucht, Hepatitis, eine vergrößerte Leber oder Schrumpfleber (Leberzirrhose) sein.1

Wie wird die Lungenkrankheit Alpha-1 vererbt?

Die Erkrankung der Lunge entsteht aufgrund eines fehlerhaften oder geschädigten Alpha-1-Antitrypsin-Proteins. Die Ursache für die Veränderung des Proteins ist eine Veränderung der Gene, die bereits vor der Entstehung eines Proteins festlegen, wie es aussehen wird. Dabei bestehen verschiedene Möglichkeiten, welche Gene von den Eltern auf ihr Kind übertragen werden, das heißt, welcher Genotyp entsteht. Alpha-1 wird autosomal kodominant vererbt, das heißt, nur wenn die Allele beider Eltern einen Defekt aufweisen, kann das Krankheitsbild der Lungenkrankheit auftreten.1

Vererbungsschema des Alpha-1-Antitrypsin-Mangels

Nicht jeder Mensch mit einem Alpha-1 im Genotyp hat ein gleichermaßen hohes Risiko, eine Lungenerkrankung zu entwickeln. Ausschlaggebend dafür ist der Phänotyp, also das Erscheinungsbild.1 Der vorliegende Defekt hat jeweils eine unterschiedliche Auswirkung auf den Alpha-1-Antitrypsin-Serumspiegel:

  • Pi*MM: gesund, ohne Risiko einer Lungenerkrankung
  • Pi*MS: sehr geringes Risiko für eine Lungenerkrankung
  • Pi*MZ und Pi*SS: geringes Risiko für eine Lungenerkrankung
  • Pi*SZ: mittleres Erkrankungsrisiko
  • Pi*ZZ, PiZ0 und Pi00: sehr hohes Risiko

Dabei tritt der Defekttyp Pi*ZZ am häufigsten auf.3

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Initiative PROAlpha

Quellen

1 Biedermann A und Köhnlein T. Dtsch Arztebl 2006; 26: A1828–32.

2 Blanco I et al. Int J COPD 2017; 12: 561–9.

3 Konietzko N. Pneumologie 2005; 59: 36–68.

4 Stoller JK et al. Cleve Clin J Med 1994; 61: 461–7.